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Zar Paulo erobert Aarhus mit ihrem neuen Album EX_EUROPA

Veröffentlicht: 06.03.2026
ZAR PAULO COVER 78627 Foto – Dennis Stenild
Christina Hazelden – Fotograf Dennis Stenild

Sie haben Songs in einem Bunker unter einem 7-Eleven in Aarhus geschrieben, in einem feuchten Burgkeller nach Insekten gesucht und in einem stillgelegten Kreiskrankenhaus Musik gemacht. Jetzt kehren die Jungs von Zar Paulo aus Aarhus mit dem Album EX_EUROPA und ihren bisher größten Konzerten in ihre Heimat zurück. Wir sprachen mit Emil Vammen und Johan Horsmans über die Schwierigkeiten des Halb-Erwachsenwerdens, die Freude an der Freundschaft und die elektrisierende Energie, die entsteht, wenn Tausende gemeinsam loslassen.

Alles begann in der High School und im College. Fünf Jungs, ein paar Instrumente und ein gemeinsamer Traum. Heute, über zehn Jahre später, sind sie immer noch dieselben fünf Freunde, doch die Welt um sie herum hat sich verändert. Für Zar Paulo sind Freundschaft und Musik zwei Seiten derselben Medaille, eine untrennbare Verbindung, die sie zusammenhält, während sich alles andere wandelt.

„Wir waren nie Freunde, ohne eine Band zu sein, und wir waren nie eine Band, ohne Freunde zu sein“, sagen sie. Genau diese enge Verbindung bildet das Fundament ihrer Live-Auftritte. Und in Aarhus sind sie nicht nur zu Besuch, sie fühlen sich wie zu Hause. Hier ist das Publikum nicht nur Zuschauer, sondern Teil der „Geheimzutat“, die die Band zu noch mehr Höchstleistungen anspornt.

Ein Keller voller Gruselgestalten und Kreativität

Die Arbeit am neuen Album EX_EUROPA führte die Band an einige recht ungewöhnliche und wenig romantische Orte. Emil schlug vor, in Schloss Ulstrup einzuziehen, doch der Traum von einem idyllischen Schloss wich schnell der Realität eines feuchten Kellers.

„Es war in vielerlei Hinsicht furchtbar dort. Es war unglaublich schwül, und ständig kamen Tiere herein, die wir einfangen und wieder verscheuchen mussten“, lacht Johan. Doch inmitten der Dunkelheit und des Lärms der Ventilatoren, die eigentlich die Feuchtigkeit vertreiben sollten, fanden sie eine besondere Arbeitsruhe. Als die Bedingungen „düster“ waren, wurde die Musik zum einzigen Anker. Das Ergebnis ist ein Album, das den Blick nach innen wagt, in eine Welt, die sich wie ein Lichtspiel anfühlt, eine optische Täuschung, in der es schwerfällt, Halt zu finden.

ZAR PAULO COVER 78627 Foto – Dennis Stenild

Keine Checkliste, nicht einmal intern innerhalb der Band.

Im Verlauf des Gesprächs kommt es darauf an, wie der Zuhörer die bildhaften Texte am besten verstehen soll. Der Band ist bewusst, dass es keine allgemeingültigen Antworten gibt. Tatsächlich gehört es zu Zar Paulos DNA, dass die Lieder für jeden etwas anderes bedeuten können und selbst innerhalb der Band die Interpretation einzelner Zeilen stark auseinandergehen kann.

„Für mich ist es ein Qualitätsmerkmal, wenn sich etwas auf verschiedene Weisen interpretieren lässt, ohne sich zu widersprechen“, erklärt Emil. Ein Beispiel dafür ist der Song „Til Tops“, in dem eine Zeile über Engel, die sich die Beine brechen, von Emil und Johan ganz unterschiedlich interpretiert wird. Doch genau diese Mehrdeutigkeit sehen sie als Stärke. Das bedeutet, dass die Songs wie Spiegel wirken, in denen der Zuhörer seine eigene Wahrheit finden kann, egal ob er 18 oder 55 Jahre alt ist.

Wenn Gewohnheiten zu Werten werden

Während das Debütalbum „Miserable Software“ eine dystopische Hommage an die Technologie war, dringt EX_EUROPA tiefer in die menschliche Software ein. Es geht darum, „halb erwachsen“ zu sein. Die Phase, in der man versucht herauszufinden, wer man ist, während die eigenen Pläne „nur leere Worte“ sind und die Visionen „auf der Zunge zergehen“.

Der Song „Paraplyer“ ist ein wunderschönes Beispiel für diese widersprüchlichen Gefühle. Für manche mag er das Bild einer Generation in ständiger Krisenbereitschaft zeigen, doch für Emil ist der Kern viel persönlicher: „Es ist ein Liebeslied, das davon handelt, sich Sorgen und Traurigkeit im Voraus einzugestehen. Davon, mit dem Regenschirm bereit zu sein, selbst wenn die Sonne scheint, und dadurch zu vergessen, den Moment mit dem geliebten Menschen zu genießen.“

ZAR PAULO COVER 79099 Foto – Dennis Stenild

Der Topf mit Deckel

Im April finden zwei große Konzerte im Kongresszentrum Aarhus statt. Fragt man die Band nach dem Unterschied zwischen Auftritten in geschlossenen Räumen und im Freien, kommt das Gespräch schnell auf eine Analogie zum Thema Kiffen, die ihre Live-Energie perfekt beschreibt.
„Ein Konzert in einer Halle wirkt wie ein Deckel auf einem Topf. Der Dampf kann nicht entweichen, und die Intensität steigert sich, bis alles überkocht“, erklären sie. In dieser Stimmung plant Emil sein nächstes Crowdsurfing, diesmal mit „noch mehr Schwung“ als beim letzten Mal.

Das Ziel bleibt jedoch immer dasselbe: dass wir, die wir im Saal stehen, mit dem Gefühl der Verbundenheit nach Hause gehen. Dass wir für ein paar Stunden Teil von etwas Größerem waren, wo wir die Kontrolle losgelassen und uns befreit haben.

Heimat von Le Coq

Wenn sich der Staub im ACC gelegt hat und der letzte Crowdsurfer sicher abgesetzt wurde, findet man sie in ihrem natürlichen Umfeld. „Ihr müsst nicht lange suchen, um uns im Le Coq zu finden“, sagen sie mit einem Lächeln. Hier liegen ihre Wurzeln. Hier sind sie keine Popstars oder Stimmen einer Generation, sondern einfach dieselben fünf Freunde, mit denen vor zehn Jahren alles begann.

Wenn die großen Hallen leer sind und sich der Dampf verzogen hat, landen sie hier wieder. Bereit für das nächste Kapitel, mit einer neuen Überraschung im Ärmel.

Das Praktische:

Konzert von Zar Paulo (Album: EX_EUROPA)

Veranstaltungsort: Aarhus Congress Center

Aufführungstermine: 10. April (ausverkauft) – Zusatzkonzert am 11. April (es sind noch einige wenige Tickets erhältlich)