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Die Schneekönigin in Moesgaard. Gerdas Reise unter freiem Himmel

Veröffentlicht: 25.05.2026
Die Schneekönigin Moesgaard – Foto – Camilla Winther
von: Christina Hazelden

Schon vor Beginn der Vorstellung spürt man die ganz besondere Atmosphäre.

Auf der Wiese vor Moesgaard sitzen die Leute mit Decken, Nudelsalat, Weingläsern und Kaffee in Thermoskannen. Manche haben es sich zum Picknick gemütlich gemacht, andere genießen die wärmende Sonne über der Bucht. Kinder toben zwischen den Bänken herum, und niemand scheint es eilig zu haben.

Und genau das ist das Besondere an den Aufführungen in Moesgaard. Sie beginnen lange vor der ersten Zeile.

Als ich meinen Platz auf der großen Außenbühne gefunden hatte, war das Bühnenbild bereits fertig. Ein riesiges Auge in der Mitte der Drehbühne und die vier hohen LED-Türme. Alles offen zum Himmel und mit der Bucht im Hintergrund.

Der Eisteufel schickt Gerda fort

Die diesjährige große Sommeraufführung ist Hans Christian Andersens Die Schneekönigin, umgeschrieben von Kim Fupz Aakeson und inszeniert von Nicolei Faber.

Die Geschichte beginnt mit dem Eisdämon und seinen drei Eisdämonenjungen, die eine Art Teufelsschule des Bösen betreiben. Sie werden zu den ständigen Schatten und Kommentatoren von Gerdas Reise. Fast wie kleine, finstere Zirkusfiguren, die unentwegt darauf achten, ob sie einen Fehler begeht.
Ihr magischer Spiegel zerbricht über der Welt und schleudert einen Splitter in Kays Auge, sodass er all die Schönheit um sich herum nicht mehr sehen kann. Die Schneekönigin bringt ihn in ihr kaltes Königreich, und Gerda macht sich auf die Suche nach ihm.

Laura Skjoldborg verkörpert Gerda mit Bravour. Ihre unbeugsame Art lässt einen ihre Reise bis zum Schluss mitfiebern. Denn Gerda hat einen langen Weg vor sich und stößt dabei immer wieder auf Widerstand. Orte versuchen, sie zu verführen und sie vergessen zu lassen, warum sie eigentlich unterwegs ist. Überall lauern Versuchungen. Doch sie lässt sich nicht aufhalten. Mit unerschütterlicher Entschlossenheit und einer tiefen, unerschütterlichen Liebe kämpft sie sich immer wieder von einer Begegnung zur nächsten vorwärts.

Die Schneekönigin Moesgaard – Foto – Camilla Winther

Und dann ist da noch die Schneekönigin selbst.

Mille Hoffmeyer Lehfeldt verkörpert sie mit eiskalter Ruhe und zugleich verführerischer Anziehungskraft. Nicht als klassisches Monster, sondern eher wie eine Erkältung, die langsam alles um sich herum aussaugt. Als sie schließlich hervortritt, wandelt sich die Figur.

Wenn die Dunkelheit Moesgaard einholt

Aber um ganz ehrlich zu sein, erst nach der Pause wurde mir der Abend so richtig bewusst.
Denn während der erste Akt noch im Licht der Abendsonne erstrahlt, geschieht etwas, als die Dunkelheit langsam über Moesgaard hereinbricht.
Die Bucht färbt sich dunkelblau. Die Bäume rund um die Bühne scheinen fast zu verschwinden. Und die großen LED-Türme erwachen im Zusammenspiel mit Schnee, Sternen und Nordlichtern zu einem ganz anderen Leben. Alles verschmilzt mit der Dunkelheit, und man hat das Gefühl, nicht mehr nur Zuschauer zu sein, sondern mittendrin.

Genau hier kann die Freilichtbühne in Moesgaard etwas leisten, was andere Bühnen nicht können.

Wenn die Vorstellung zu Ende ist, nehme ich nicht nur die Geschichte mit nach Hause, sondern den ganzen Abend.

Menschen auf den Teppichen vor der Vorstellung, das langsam über der Bucht verschwindende Licht, die 3.000 Zuschauer am Hang. Und das Gefühl, mitten in einem Sommerabend dazusitzen, wo Theater, Natur und Dunkelheit plötzlich zusammenwirken.
Wenn Sie also dorthin fahren, tun Sie sich selbst einen Gefallen und kommen Sie frühzeitig.

Bring eine Decke und etwas Kaltes zu trinken mit. Bleib etwas länger als geplant auf der Wiese sitzen. Und warte auf die Dunkelheit.

Gut zu wissen

  • Wo: Moesgaard, Moesgaard Allé 15, 8270 Højbjerg
  • Wann: Vom 21. Mai bis zum 27. Juni
  • Regie: Nicolaj Faber
  • Dramatikerin: Kim Fupz Aakeson – nach dem Märchen von Hans Christian Andersen
  • Auf der Bühne: Mille Hoffmeyer Lehfeldt, Laura Skjoldborg, Alvin Olid Bursøe, Anton Hjejle, Simon Mathew, Carla Eleonora Feigenberg und andere.
  • Tipp: Bringen Sie einen Schlafsack oder eine Decke mit – es wird kalt, wenn die Sonne untergeht.