Kunsthaus und Galerie TESE: Eine Galerie wie keine andere
Die Graven in Aarhus haben einfach etwas Besonderes an sich.
Vielleicht ist es die Mischung aus alten Gebäuden, Kopfsteinpflaster und Menschen, die es nie eilig haben, weiterzuziehen. Cafés, Eisdielen und kleine Fachgeschäfte liegen Seite an Seite, und mittendrin befindet sich das TESE Art House and Gallery.
Im Erdgeschoss hängen Kunstwerke an den weißen Wänden, und ein großer Mahagoni-Flügel steht im Raum. Im Sommer ist die Tür zum Garten geöffnet. Draußen sitzen die Leute mit einer Tasse Kaffee oder einem Bier, während zwischen den Tischen, den Kunstwerken und den Plänen für den Tag angeregt Gespräche entstehen.
Es wirkt weniger wie eine traditionelle Galerie, sondern eher wie ein Ort der Begegnung.
Sarah-Kamille Amininejad Koushki Teib, die TESE 2020 gründete und vor einem Jahr nach Graven zog, hält während unseres Gesprächs eine versilberte Zahnprothese in der Hand. Sie fand sie im Keller – ein Überbleibsel aus der Zeit, als das Haus noch eine Zahnklinik war. Sie findet sie zu schade zum Wegwerfen. Hinter ihr hängt ein großes Gemälde in kräftigen, feurigen Farben.
„Es ist eher eine Gemeinschaft“, sagt sie, als ich sie frage, ob sie den Laden leitet. „Ich sehe mich eher als Kuratorin denn als klassische Managerin.“
Und das spürt man deutlich, wenn man durch die älteren Räumlichkeiten geht.
Denn obwohl das Haus einen klaren roten Faden aufweist, ist es nicht um eine einzelne Person herum entstanden. Künstler mit ganz unterschiedlichen Ausdrucksformen arbeiten im ganzen Haus. Hier findet man unter anderem einen Fotografen, einen Bühnenbildner, einen Performancekünstler, einen Restaurator, Musiker, Schriftsteller, Maler und Designer, die mit Recyclingmaterialien und Slow Fashion arbeiten.
Der gemeinsame Nenner ist nicht die Kunstform, sondern die Neugier.
Eine Galerie, in der man skeptisch sein kann
Viele verbinden Galerien noch immer mit einer gewissen Feierlichkeit. Ein Ort, an dem man still umhergeht, anerkennend nickt und hofft, dass niemand merkt, dass man die Werke vielleicht nicht vollständig versteht. TESE versucht bewusst, diese Atmosphäre in Frage zu stellen.
Sarah-Kamille beschreibt den Ort als einen Bildungsraum und einen Ort der Demokratisierung.
„Es ist völlig in Ordnung, wenn die Kunst an den Wänden nicht genau Ihrem Geschmack entspricht. Sie dürfen anderer Meinung sein. Genau darum geht es ja.“
Sie stellt oft fest, dass Gäste nach einer Vernissage noch mehrere Stunden verweilen. Nicht unbedingt, weil sie ein Kunstwerk kaufen wollen, sondern weil die Gespräche noch lange andauern.
„Die Leute haben einen Ort wie diesen vermisst“, sagt sie. „Einen Ort, an dem man nicht weiß, was einen erwartet, sondern an dem man überrascht wird.“
Neue Künstler erhalten Raum, um Risiken einzugehen.
Sarah-Kamille arbeitet oft mit weniger etablierten Künstlern zusammen. Nicht etwa, weil es unbedingt einfacher wäre, ganz im Gegenteil.
Denn oft entsteht etwas Besonderes, wenn Menschen experimentieren dürfen, ohne ständig an den Markt oder die Erwartungen der Branche denken zu müssen.
Die aktuelle Ausstellung „Ich fürchte das Unpersönliche zwischen uns“ vereint zwei Künstlerinnen, die zum ersten Mal ausstellen. Der Titel ist von Inger Christensen entlehnt, und die Ausstellung kreist um Identität, Zugehörigkeit und das moderne Verhältnis des Menschen zu sich selbst und seiner Umwelt.
Hier begegnen Sie sowohl Terkel Miras persönlichen Untersuchungen zu Identität und Gemeinschaft als auch Emilie Lystbergs eher sozialkritischer Betrachtung sozialer Medien, Selbstdarstellung und digitaler Konsumkultur.
Sarah-Kamille hebt insbesondere Terkel Mira hervor, die nicht-binär ist und sich seit langem in einer Öffentlichkeit bewegen muss, die nicht für sie geschaffen wurde.
„Wenn man nicht-binär ist, muss man cool genug sein, zu akzeptieren, dass man mit seinem Sein Normen bricht“, sagt sie. Und dann, etwas direkter: „Und genau deshalb finde ich es umso cooler, so selbstbewusst für sich einzustehen und sein Können weiterzuentwickeln.“
Das Haus mit den Details
Eine der Grundideen von TESE ist es, Künstler verschiedener Disziplinen zusammenzubringen, die Seite an Seite arbeiten und sich in gemeinsamen Projekten treffen.
Laut Sarah-Kamille ist die Kunstszene oft in kleine Welten aufgeteilt, die kaum miteinander kommunizieren. Und genau das will TESE ändern.
„Man ist gezwungen, sich mit anderen Kunstbranchen als der eigenen auseinanderzusetzen. Und das bringt einen dem Kern dessen, warum man das tut, was man tut, nur näher.“
Eines ihrer Lieblingsbeispiele ist eine Veranstaltung, bei der der Autor Jonas Eika las, während die Maler des Hauses live arbeiteten und im Hintergrund Musiker spielten. Das Ergebnis war ein Gemeinschaftskunstwerk, das noch heute im Haus hängt.
Und genau das passiert, wenn Menschen mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken die gleiche Adresse teilen.
Kulturladen Bellis
Auf der einen Seite des Gebäudes befindet sich die Kulturbodega Bellis, ein Café mit Bar und eigener Küche. Ästhetisch gesehen ist sie eine ganz andere Welt als die Galerie, mit einer Do-it-yourself-Atmosphäre.
Bellis wird von Anja geführt und das Café liegt nicht nur neben TESE, sondern befindet sich im selben Gebäude, was sich auch im Programm widerspiegelt. Wenn TESE eine Vernissage oder Dinner mit Salondiskussionen veranstaltet, übernimmt Bellis den Service. Und umgekehrt: Wenn in Bellis ein Musikfestival mit ungezwungener, gemeinschaftlicher Atmosphäre stattfindet, geschieht dies unter demselben Dach wie avantgardistische Kunst und Performances in der Galerie.
Das verleiht dem Ort eine Atmosphäre, die man in Aarhus selten findet. Man kann wegen der Kunst, des Essens, der Gespräche oder einfach nur zum Draußensitzen auf dem Hügel hinunter nach Graven kommen. Draußen gehen die beiden Bereiche fließend ineinander über, und es ist nicht immer klar, wo der eine aufhört und der andere anfängt.
Ich persönlich finde, es passt sehr gut zum Gesamtbild. Denn im TESE Art House and Gallery geht es wirklich nicht nur um Kunst.
Es geht darum, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen sich begegnen, überrascht werden und neue Perspektiven gewinnen können.
Praktische Informationen
Kunsthaus und Galerie TESE, Graven 21, Aarhus.
Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag 13-16 Uhr, Mittwoch und Freitag 15-18 Uhr, Samstag 11-14 Uhr.
Aktuelle Ausstellung: „Ich fürchte das Unpersönliche zwischen uns“ mit Terkel Mira und Emilie Lystberg, bis zum 27. Juni 2026.
Kultur-Bodega Bellis: Täglich ab 12:00 Uhr geöffnet















