So wurde Aarhus im Jahr 1900 endgültig zur Theaterstadt
Wenn man Stadtarchivarin Merete Bøge Pedersen zuhört, wird klar: Um 1900 war Aarhus auf der Suche nach einem richtigen Theater. Natürlich hatte die Stadt in der Kannikegade ein kleines Haus, im Volksmund „Smedekassen“ genannt. Hier konnten sich reisende Theatergruppen einmieten, und gelegentlich machte sogar das Königlich Dänische Theater dort Halt.
Doch das Gebäude stank, war brennbar und entsprach nicht dem Standard, den eine sich schnell entwickelnde Stadt gewohnt war. Daher herrschte große Freude, als das Aarhuser Theater am 15. September 1900 eröffnet wurde. Bürger, Würdenträger und Gäste aus der Hauptstadt versammelten sich zum Abendessen und einer Galavorstellung, die so erfolgreich war, dass Hans Broge selbst in der ersten Reihe aufstand und „Lang lebe das Theater“ rief.
Wie sah Aarhus im Jahr 1900 aus?
In nur 50 Jahren verwandelte sich die Stadt von einer kleinen Marktstadt in eine moderne Industriestadt. 1850 lebten 8.000 Menschen in Aarhus. Bis 1900 waren es bereits 50.000. Überall entstanden neue Stadtteile: Øgaderne und Trøjborg im Norden, Frederiksbjerg im Süden und Mølleengen im Westen.
Die Industrialisierung zog Menschen vom Land in die Stadt. Arbeiter ließen sich in der Nähe der Fabriken nieder, da die Menschen buchstäblich zu Fuß zur Arbeit gingen, oft nur wenige Schritte von ihrem Zuhause entfernt.
Die Motoren der Stadt waren der Hafen und die Eisenbahn. Der Hafen wurde 1845 an die Küste verlegt, und 1862 erhielt Aarhus seinen ersten Bahnhof. Die Verbindung zwischen Hafen und Eisenbahn ermöglichte den direkten und schnellen Transport von Gütern und Passagieren. Mit den 20–30 km/h schnellen Zügen geriet die Postkutsche in Vergessenheit.
Wer steckt hinter dem Aarhus-Theater?
Es waren die Bürger der Stadt, Hersteller und Kaufleute, die das Projekt vorantrieben. In den 1890er Jahren erfreute sich die Idee einer „Nationalbühne Jütlands“ großer Beliebtheit, unterstützt durch Artikel sowohl in der Aarhus Stiftstidende als auch in der Zeitschrift Jylland.
Ein Komitee engagierter Bürger wurde gegründet und sammelte im Rathaus sowohl Unterstützung als auch Geld. Zunächst wurde Kanikkegade als Standort in Betracht gezogen, doch bald fiel der Blick auf Bispetorv.
1897 stellte die Gemeinde das Grundstück zur Verfügung. Der Architekt Hack Kampmann entwarf das Haus, die Finanzierung erfolgte durch Aktien. Der Margarinehersteller Schou spendete 20.000 Kronen, und die Bürger der Stadt beteiligten sich. Das Gesamtbudget betrug 250.000 Kronen – damals eine schwindelerregende Summe.
Der erste Spatenstich erfolgte 1898. Zwei Jahre später war das Theater fertiggestellt.
Die darstellenden Künste werden von einer einzigartigen Gebäudearchitektur begleitet, und in unserem Reiseführer können Sie in die Geschichte dieser wunderschönen Sehenswürdigkeit eintauchen. Die Geschichte des Aarhus Theaters.
Warum wird das Aarhus-Theater als Bürgerprojekt bezeichnet?
Das Aarhuser Theater war kein Geschenk des Staates. Es war ein Werk der Bürger, finanziert und getragen von den Kräften der Stadt. Damit wurde das Gebäude zu einem Symbol des städtischen Stolzes und Fortschritts und Teil dessen, was man als modernen Durchbruch bezeichnete.
Der moderne Durchbruch war mehr als nur eine Frage der Industrie. Es ging um Aufklärung, Bildung und kulturelle Institutionen, die die Gesellschaft aufwerten konnten. Bibliotheken, Museen und Theater galten als notwendige Rahmenbedingungen für eine aufgeklärte Gesellschaft. Das Aarhuser Theater war der Versuch der Stadt, genau dies zu erreichen.
Welche Rolle spielte der Eröffnungstag im Jahr 1900?
Der Eröffnungstag war ein Fest, das Stadt und Land zusammenbrachte. Nach dem Abendessen folgte die Aufführung, und der Saal hallte von Applaus wider. Die Schauspieler wurden mehrmals aufgerufen, und die Atmosphäre war elektrisierend.
Justizminister Gose brachte die Gefühle vieler auf den Punkt: Aarhus habe gezeigt, dass materieller Fortschritt und spirituelles Leben Hand in Hand gehen sollten. Er erinnerte die Anwesenden daran, dass das Theater nicht nur ein schönes Haus sei, sondern eine Institution, in der die darstellenden Künste gedeihen sollten, ohne ihre Ideale zu verlieren.
Aarhus Theater – ein Eigenprojekt der Stadt
Merete Bøge Pedersen erinnerte daran, dass das Theater von Anfang an ein Treffpunkt war, nicht nur für Theaterstücke, sondern für die Identität der gesamten Stadt. Hier wurden Kultur und Bürgersinn miteinander verbunden. Von hier aus entwickelte sich Aarhus nicht nur zu einer Industriestadt, sondern auch zu einer Kulturstadt.
Das sah Herman Bang, als er seine Artikel im Aarhus Dict. am Eröffnungstag: ein Haus, das zum Stolz der ganzen Stadt geworden war, geschaffen von den Aarhusern selbst.
Das Aarhuser Theater heute
125 Jahre später steht das Theater immer noch am Bispetorv, erbaut von Bürgern, getragen von der Stadtgeschichte und immer noch ein Ort, an dem sich Aarhus trifft. Nicht nur, um Aufführungen zu sehen, sondern auch, um daran erinnert zu werden, dass das, was man gemeinsam aufbaut, Generationen überdauern kann.
Quelle: Präsentation zum 125-jährigen Jubiläum des Aarhus Theaters am 14. September, Merete Bøge Pedersen, Stadtarchivarin in Aarhus
Mitarbeiter des Aarhus Theaters am 15. September 2025























