Mensch sein – Zeitgenössische Kunst im Gespräch mit Ovartaci
Im Museum Ovartaci können Sie derzeit eine Ausstellung erleben, in der zeitgenössische Künstler in die Vergangenheit reisen. „Being Human“ bringt zwölf zeitgenössische Künstler zusammen, die Ovartaci auf ihre Weise als Mensch, als Künstler und als die besondere Stimme interpretieren, die er in die Welt gesetzt hat.
Die Ausstellung dreht sich um Identität, Zerbrechlichkeit, Lebenslust und alles, was uns menschlich macht. Sie wirkt nicht wie eine traditionelle Ausstellung, sondern eher wie ein stilles Gespräch zwischen Ovartaci und seinen Nachfolgern.
Es ist etwas Besonderes, einen Ausstellungsraum zu betreten, in dem alles still ist und dennoch Geräusche erzeugt werden. Nicht mit Geräuschen, sondern mit Blicken, Farben, Formen und Gedanken. Das Museum Ovartaci hat zwölf zeitgenössische Künstler zusammengebracht, die alle auf ihre Weise in einen Dialog mit dem Mann treten, der heute als einer der bedeutendsten Künstlernamen Dänemarks gilt: Ovartaci.
Die Ausstellung erstreckt sich über drei verschiedene Räume des Museums. Sie beginnt auf dem Platz vor dem Museumsshop, setzt sich im Innenhof fort und endet im Sonderausstellungsraum, wo ich persönlich den stärksten Teil der Ausstellung erlebt habe. Von hier aus beginnt auch mein Erlebnis: ein Raum voller Farben, Geschichten und auffälliger Objekte, die lange in Erinnerung bleiben.
Erst Ovartaci – dann das alles
Ich würde jedem Besucher der Ausstellung empfehlen, ganz am Anfang anzufangen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Gehen Sie in die Dauerausstellung des Museums und sehen Sie sich zuerst Ovartacis eigene Werke an. Die Maschinen, die Figuren, die spitzen Hüte und die intensiven Blicke. Denn erst dann versteht man wirklich, wovon sich die zwölf zeitgenössischen Künstler inspirieren ließen.
Die Augen, die zurückstarren
Ich wusste nicht so recht, was mich erwarten würde, aber eines der Werke, das mich am meisten beeindruckte, waren die Gemälde von Jacob Hoff. Drei grüne Porträts in einem Triptychon, in dunklen Farbtönen gemalt, deren Augen direkt durch einen hindurchblicken. Sie haben etwas Lebendiges an sich. Als hingen sie nicht nur an der Wand, sondern lebten. Es waren die Augen, die zu mir sprachen, nicht die Pinselstriche.
Ich stand lange da und schaute einfach nur. Und wurde angeschaut.
Ein Raum im Gespräch
Die gesamte Ausstellung fühlt sich wie ein Gespräch an. Kein ordentlich koordiniertes, sondern ein lebendiges, farbenfrohes und ehrliches Gespräch, in dem jeder Künstler seine eigene Sprache hat. In der Mitte des Raumes hängt Marie J. Engelsvolds große gelbe Konstruktion, eine Skulptur, die fast schwerelos wirkt. Um sie herum stehen und hängen die Werke in Schichten. Jonna Pedersens rotes Zimmer, Stig Weyes farbgesättigte Türme, Jette Dalsgaards metallisches Auge und Bjørn Eriksens klingendes Instrument, das Sie gerne spielen dürfen.
Das Ganze hat etwas Spielerisches. Als ob Ovartacis Freude am Schaffen auf alle abgefärbt hätte.
Stig Weyes Farben haften am Körper
Eines der Werke, vor denen ich lange verweile, sind Stig Weyes farbenfrohe Gemälde. Vier hohe Tafeln in leuchtenden, kräftigen Farben, die zwischen Verspieltheit und Ernsthaftigkeit changieren. Je länger ich sie betrachte, desto deutlicher wird die Symbolik. Kleine Figuren und Details entfalten sich schichtweise, wie eine Geschichte, deren Teil man langsam wird. In den Werken liegt eine besondere Energie, eine Wärme und Kraft, die durch den Körper strömt. Ich spüre, wie ich immer wieder dorthin zurückgezogen werde, selbst nachdem ich schon weitergegangen bin.
Die Person dahinter
Die Stärke der Ausstellung liegt darin, dass sie nicht versucht, Ovartaci wegzuerklären. Sie verweist nicht in Großbuchstaben auf Diagnosen, Lebensverlauf und Biografie. Stattdessen fühlt es sich an, als ob jeder Künstler in sein Universum eindringt und sich neben ihn setzt. Zuhörend und mit seiner eigenen künstlerischen Sprache antwortend.
Ovartaci war Künstler und Patient zugleich. Ein Mensch, der seine eigene Welt gestaltete. Hier im Raum treffen Sie zwölf Künstler, die es wagen, in diese Welt einzutreten und weiterzuentwickeln.
Ein ruhiges Erlebnis
Diese Ausstellung sollte man nicht überstürzen. Es gibt keine Pfeile auf dem Boden, kein natürliches Ende. Nur ein Raum. Und wenn Sie sich Zeit nehmen, werden die Werke zu Ihnen sprechen. Manche laut, andere leise.
Ich ging mit dem Gefühl, an einem Gespräch teilgenommen zu haben, bei dem ich nichts zu sagen hatte. Und dennoch fühlte ich mich gehört.
Information
3. Oktober 2025 - 31. Januar 2026
Der Künstlerverband PRO mit Gästen
Tipp: Sehen Sie sich zuerst Ovartacis eigene Werke an, das verleiht der Ausstellung eine ganz neue Dimension.
Die 12 Künstler in Mensch sein
Die Ausstellung wurde von zwölf zeitgenössischen Künstlern gestaltet, die Ovartacis Leben, Denken und Ästhetik jeweils auf ihre eigene Weise interpretiert haben. Jedes Werk ist eine kleine Geschichte für sich, eine persönliche Interpretation dessen, was es bedeutet, ein Mensch zu sein.
Marie J. Engelsvold – Körper und Dekonstruktion
Marie J. Engelsvolds hängende Installation ist ein sinnliches Spiel zwischen Balance und Bruch. Inspiriert von Ovartacis Flugzeug arbeitet sie durch Sägen, Trennen und Neuzusammensetzen – ein poetisches Bild von Kontrolle und Verlust, Körper und Geist. Das gelbe Werk wirkt zerbrechlich und stark zugleich.
Jacob Hoff – V., L., P. (Du bist meine Schwester)
Jacob Hoff porträtiert drei fiktive Schwestern in einem fesselnden Triptychon, dessen Blicke fast lebendig wirken. Inspiriert von Ovartacis besonderer Beziehung zu ihren Puppen, lotet das Werk die Grenze zwischen Fantasie und Realität aus.
Jette Dalsgaard – Wenn du erkennst, Solemne, fange ich dich auf, wenn du fällst
Jette Dalsgaard erforscht die Fragilität von Identität und die Verbindung zwischen Menschen. Ihre Werke bewegen sich zwischen Licht und Schatten, Stärke und Verletzlichkeit. Inspiriert von Ovartacis Weltanschauung entfaltet sie Symbole und Formen aus Metall und Textil mit einer poetischen Leichtigkeit, die mitten ins Herz trifft.
Jon Gislason – Tornado Belly, Desperation, Monkey
Jon Gislason malt mit einer rohen Ehrlichkeit, in der sich Verzweiflung, Kraft und Emotion in intensiven Farben vermischen. Seine Werke wirken wie ein offener Geist, erfüllt von Unruhe, Kraft und Bewegung. Inspiriert von Ovartacis grenzenlosem Ausdruck schafft er Bilder, die einen ganz nah an sich ziehen.
Jonna Pedersen – The Red Room – Konfrontiere deine Angst
Ein ganzer Raum ist in intensives Rot getaucht. Jonna Pedersen lädt uns in ein sicheres, heimeliges Universum ein, in dem die Farbe und alles, was wir fürchten, hervortreten und erforscht werden kann. Das Werk fühlt sich an wie ein Atemzug inmitten des Schwierigen: ein Ort, an dem still Mut wächst.
Stig Weye – Oh Gott bewahre – der Verrückte kann nicht den Verstand verlieren
Stig Weye verbindet Technik und Poesie in vier farbenfrohen Werken, die Ovartacis Lebensgeschichte erzählen. Mit Krankenhausgebäuden, Türen, Fenstern und krummen Figuren schafft er eine Bildwelt voller Licht und Dunkelheit, Präzision und Fantasie. Ein fesselndes Werk, in dem die Farben geradezu singen.
Bjørn Eriksen – Flame Soul inkognito, Flame Soul (Hörwerk) & Ova
Bjørn Eriksen ist inspiriert von Ovartacis Idee der „Flammenseele“ – der Person, die intensiv für das Leben brennt. Sein Werk vereint Botticellis Dantes Inferno mit Ovartacis Visionen und schafft ein kraftvolles Bild menschlichen Kampfes. Klang, Farben und Musik verschmelzen zu einem starken, sinnlichen Erlebnis.
Henriette Lorentz – Stärke und Verletzlichkeit
Henriette Lorentz' Masken balancieren zwischen Stärke und Zerbrechlichkeit. Inspiriert von einem Gedicht Ovartacis erkundet sie die vielen Ebenen der Emotionen, von Hoffnung und Freude bis hin zu Trauer und Dunkelheit. Die Masken sind offen für Berührung und Interpretation, wie ein stilles Gespräch zwischen Kunst und Mensch.
Annette Sjølund – Fragmentierung und Körper
Annette Sjølund erforscht die fließenden Grenzen zwischen Geschlecht, Identität und menschlicher Zerbrechlichkeit. Ihre handgenähten Figuren in hellen Farbtönen balancieren zwischen Verletzlichkeit und Stärke und laden uns ein, den Körper als offenes Symbol und nicht als feste Form zu sehen.
Hans Kjær – Freunde von Ovartaci
Hans Kjær hat eine Reihe von Skulpturen im naiven Stil geschaffen, inspiriert von Ovartacis innerem Universum und seinen jährlichen Reisen nach Ghana. Hier treffen recyceltes Holz, Mythen und Glaube in einem poetischen Raum aufeinander, in dem die Figuren wie kleine Grüße aus einer anderen Welt wirken. Eine Begegnung zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren.
Simon Grimm – Mein Bett / Vor dem Schlafengehen
Ein Holzmöbel mit sanften, gestickten Worten lädt zum Entspannen und Verweilen vor Einbruch der Nacht ein. Simon Grimm fängt den Moment zwischen Licht und Dunkelheit ein, wenn die Welt still wird und man sich selbst am meisten spürt.
Ole Bach Sørensen – Vögel, Begegnung, Luftschloss, Hommage à Ovartaci
Ole Bach Sørensen ließ sich von Ovartacis visionären Zeichnungen und Aquarellen inspirieren. Seine Werke spielen mit Formen und Symbolen, die zwischen Realität und Fantasie balancieren. Die farbenfrohen, grafischen Motive wirken wie offene Erzählungen, als ob sich unter der Oberfläche etwas verbirgt, das darauf wartet, neu interpretiert zu werden.



















