Aarhus Connections – Konzert zum 60. Jubiläum der Festivalwoche
Am Samstagabend ging der Vollmond hinter der Bühne am Pier 3 auf. Im Hafen herrschte reges Leben, die Luft war warm, und genau dort, in der Abenddämmerung, begann das Konzert zum 60. Jubiläum der Aarhus Festuge. Schöner hätte es kaum inszeniert werden können.
Die Tore waren bereits ab 17 Uhr geöffnet. An den langen Tischen vor den Essensständen herrschte stimmungsvolle Stimmung und bunte Lichterketten. Schweinebraten-Sandwiches, griechisches Pitabrot und Fish and Chips wurden mit Krügen Fassbier heruntergespült, während Vorbands auf der kleinen Containerbühne die ersten Töne spielten. Über dem Platz herrschte echte Streetfood-Stimmung, man traf alte Bekannte, grüßte Nachbarn und sah Kollegen wieder, die man jahrelang nicht gesehen hatte. „Wir sind schon seit vielen Jahren beim Festival dabei, deshalb sind wir natürlich auch heute Abend dabei“, sagte eine Gruppe an den Tischen.
Erst gegen 20 Uhr füllte sich der Platz vor der Hauptbühne. Und als die Dunkelheit über Aarhus Ø hereinbrach und der Vollmond aufging, waren 18.000 Gäste bereit.
Eine Parade der Aarhuser Stimmen
Birthe Kjær eröffnete die Party mit „Vi si'r tillýkke“, einem Songtitel, der bereits den Ton für einen Abend angab, an dem es darum ging, der Musikszene der Stadt Tribut zu zollen.
Peter AG nahm den Faden mit „Lower the sun over Aarhus“ wieder auf, und von dort aus entfaltete sich die Parade des Abends. Neue Stimmen wie Aggi, der Natasja mit „Give me Denmark back“ Tribut zollte, mischten sich mit den großen Namen, die den Soundtrack der Stadt seit Jahrzehnten prägen.
Allan Olsen erzählte Anekdoten vom Festival 1970, bei dem er selbst mit Jimi Hendrix und den Rolling Stones auf dem Programm stand. Das Publikum lachte, als er von seinem Treffen mit der Queen erzählte, und jubelte, als Tina Dickow auftrat und mit ihm die Stones sang.
Foto: Tina Dickow und Allan Olesen
Dickow selbst erzählte von einer Kindheitserinnerung an Festugen 93, als Björk und Rage Against the Machine ihren Lebensweg veränderten. Und so ging es weiter. Asbjørn brachte das etwas ältere Publikum zum Mitrocken und Anna Frank hauchte Helmigs Klassiker „It’s me standing here knocking“ neues Leben ein. Thomas Helmig, der danach auf die Bühne kam, eröffnete die Party mit den Worten „Es ist ein toller Abend und es ist eine tolle Stadt“, bevor er, begleitet von einem Chor aus Gospelsängern, mit Gnags‘ „Under the Beech“ loslegte.
Foto: Thomas Helmig und Peter AG
Publikum jeden Alters
Zwischen den Liedern war die Atmosphäre genauso wichtig wie die Musik. Vor der Bühne standen vier Freunde, die sich seit der ersten Klasse an der Steiner-Schule kennen.
„Wir haben Tickets gekauft, um einfach einen schönen Abend zu haben. Wir sind gerade durch Aarhus gelaufen und haben diese Musik gehört, also war es für uns ganz natürlich, hier zu stehen.“
Eine Fußballmannschaft von Männern Anfang 30 aus Djursland hatte den Weg zum Hafen mit Geld aus der Strafkasse auf sich genommen und wäre hier inmitten der Menge der etwas älteren Zuschauer beinahe in Ungnade gefallen.
„Aarhus ist Aarhus, egal ob Brabrand, Viby oder Djursland. Und wenn Helmig und Steffen Brandt spielen, sind wir da“, sagte Oliver Johansen vom Team.
Und etwas weiter hinten auf dem Platz saßen die Gäste, die seit der Eröffnung um 17 Uhr da waren. Sie hatten sich entschieden, das ganze Konzert über an den langen Tischen zu bleiben. Auf die Frage, warum sie heute Abend hier waren, gab es keinen Zweifel:
„Das Ticket war günstig und es sind Musiker aus Aarhus, das mussten wir einfach erleben.“
Und dann war da noch das Ehepaar, das diese Woche seinen eigenen kleinen privaten Jahrestag feierte, weil sie sich vor vielen Jahren beim Aarhus Festuge kennengelernt hatten.
Das Publikum machte insgesamt den Eindruck, aus dem etwas älteren Aarhuser Publikum zu bestehen. Das Durchschnittsalter lag bei etwa 40 Jahren, und genau diese Generation erinnert sich an die alten Aarhuser Musiker und hat jahrzehntelang in den Diskotheken der Stadt zu ihnen getanzt.
Foto von : The place is a good time.
Musik als gemeinsame Erinnerung
Ein weiterer unvergesslicher Moment für das Publikum war die gemeinsame Aufführung von „Malaga“ durch Peter AG und Helmig. Mit Gospel im Hintergrund und ganz Aarhus als Kulisse erhielt das Lied eine neue Bedeutung – als Hommage an die Stadt und die Gemeinde.
Nach seinem Auftritt kündigte Mek Pek Birthe Kjær mit der Geschichte an, dass ihr erster Auftritt in Aarhus im Alter von 12 Jahren im Tivoli Friheden war. Birthe kam erneut auf die Bühne und sang „2 lys på et bord“. Anschließend rief sie dem Publikum mit einem Augenzwinkern zu: „Gibt es eine Party in Festugen? Dann sollten wir die Stadt auch rot anmalen!“ Und unter großem Jubel stimmte sie ihren bekanntesten Klassiker an.
Lis Sørensen betrat die Bühne und sang mit, später gesellte sich auch Steffen Brandt dazu und sang unter anderem „Stupid Man“, bei dem Thomas Helmig mitsang.
Foto: Lis Sørensen und Birthe Kjær
Hinter den Kulissen war ein großer Teil der praktischen Vorbereitung von Freiwilligen übernommen worden.
Ein Konzert dieser Größenordnung ist ohne ehrenamtliche Helfer nicht möglich. Für Aarhus Forbindelser waren es sowohl lokale Vereine, die zum Vereinsfonds beitrugen, als auch Freiwillige der Stiftung für Muskeldystrophie, die einen großen Teil der Verantwortung trugen.
Marie, die seit 2015 ehrenamtlich bei der Muscular Dystrophy Foundation arbeitet, sagt, dass an dem Abend etwa 300–350 Freiwillige im Einsatz waren.
Die Freiwilligen kamen aus dem ganzen Land. Einige wurden mit dem Bus abgeholt und in einer Schule in Aarhus untergebracht, bevor sie am Sonntag ihre Heimreise antraten. „Es ist eine tolle Regelung, dass man, egal aus welchem Teil des Landes man kommt, von den Sammelorten aus in die Busse steigen kann. So wird die Freiwilligenarbeit zum Kinderspiel“, sagt Marie.
Foto: Freiwillige von der Bar oben links von der Bühne
Der gesamte Aufbau, von der Bühne bis zu den Barzelten, bestand aus eigener Ausrüstung des Muskelsvindfonden, die auch beim Grøn Koncert verwendet wird. Doch es wurden auch zusätzliche Helfer benötigt. „Ein lokaler Verein in Aarhus stellte kurzfristig sechs Leute zur Verfügung. Das zeigt, dass man auch dann mitmachen kann, wenn man nicht unbedingt Teil von Krævet ist. Und es ist toll, dass wir eine Kultur haben, in der alle zusammenarbeiten, wenn wir auf dem Platz sind.“
Es war zeitweise sehr voll, vor allem an den vier Bars, wo die Schlangen immer länger wurden. „Wir hatten eine oder anderthalb Stunden, in denen wir mit den Bieren nicht hinterherkamen. Schade, aber so ist das nun mal, wenn das Tempo hoch ist“, sagt Marie lächelnd.
Für sie geht es jedoch um mehr als nur die Musik. „Es ist selten die Musik, die mich anzieht, wenn ich mich ehrenamtlich engagiere. Es ist die Gemeinschaft. Wenn man sich freiwillig für eine Veranstaltung wie diese engagiert, passiert etwas Besonderes.“
Aarhus im Hintergrund
Zwei große Bildschirme sorgten dafür, dass auch die hinteren Zuschauer das Geschehen verfolgen konnten. Und wer kein Ticket hatte, stand vor dem Eingang und verfolgte das Konzert auf den Bildschirmen.
Pier 3 erwies sich an diesem Abend als besonderer Ort. Links der Aarhus Ø, hinter der Bühne die Containerhafentürme, rechts Navitas und die Skyline der Stadt. Und vor Tausenden von Zuschauern, die alle Lieder von der Bühne mitsangen.
Am Samstagabend wurde das 60-jährige Jubiläum von Festuge gefeiert, eine Stadt, die durch Musik zusammenhält, und die alten und neuen Verbindungen von Aarhus.
Foto: „Wenn Aarhus sich selbst feiert, wollen wir gemeinsam mit der Stadt feiern“, sagen drei Frauen aus Westfünen, die das Jubiläumskonzert besucht haben.

































